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Studie zu Todesursachen: Resistente Keime bald gefährlicher als Krebs

Resistente Krankheitserreger fordern immer mehr Opfer. Das erkennt nun auch die Politik. Sogar auf der aktuellen G7-Konferenz steht das Thema auf dem Programm, wofür Bundeskanzlerin Angela Merkel selbst gesorgt hatte. Vielfach werden rasche Gegenmaßnahmen gefordert, bevor die Keime die Menschheit ins Mittelalter zurückbefördern. Sorgfältige Hygienemaßnahmen sowie ein vorsichtigerer Gebrauch von Antibiotika spielen dabei eine große Rolle. Ändert sich zu wenig, so geht eine neue Untersuchung von einer erheblichen Steigerung der Todesopfer aus.

Studie warnt vor dem Ausmaß der Keim-Folgen 

Laut einer aktuellen Untersuchung wird vor den Folgen resistenter Bakterien ausdrücklich gewarnt. Weltweit könnten sich die Opfer im Jahr 2050 auf rund zehn Millionen erhöhen, in Europa auf etwa 400.000 – was erheblich mehr wären als alle Todesfälle aufgrund von Krebs. Derzeit wird die Opferzahl auf circa 700.000 jährlich geschätzt, auch wenn sich die Berechnungen verschiedener Institutionen unterscheiden.

Alleine in Deutschland sind laut Bundesgesundheitsministerium jährlich zwischen 400.000 und 600.000 Patienten von gefährlichen Infektionen in Folge medizinischer Behandlungen betroffen. An den Folgen sterben im Jahr zirca 15.000 Menschen. Dass sich die Erreger ständig verändern und immer aggressiver werden, stellt eine große Gefahr dar. Etwa zehn von einhundert bekannten Keimen werden mittlerweile als multiresistent angesehen. Das bedeutet, dass sie auch mit der einstigen „Wunderwaffe“ Antibiotika nicht mehr erfolgreich bekämpft werden können. Die gefährliche Resistenz wird zurückgeführt auf den hohen Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung wie auch in der Humanmedizin.

Globales Aktionsprogramm und andere Vorschläge

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) engagiert sich mit einem globalen Aktionsprogramm für eine geänderte Grundhaltung, um gegen das Keim-Problem anzugehen. Schon im Mai hatte die Bundesregierung neue Strategien entwickelt, um die Infektionen in Schach zu halten, was realisiert werden soll durch neue Meldepflichten, mehr Überwachung und bessere Hygiene in Krankenhäusern. Von der Partei Bündnis90/Die Grünen werden noch tiefgreifendere Maßnahmen gefordert, zum Beispiel das generelle Verbot bestimmter Antibiotika in der Tiermast, die für den Menschen lebensrettend werden könnten.

Gesundheitsminister Gröhe plädiert für mehr Forschung an neuen Antibiotika und ein Verantwortungsbewusstsein bei den Patienten selbst, die ihren Hausarzt häufig selbst bei nur lästigem Schnupfen um Antibiotika-Präparate bitten. Gröhe vergleicht das Problem mit dem Klimawandel, der sich ebenso tückisch ausbreitet, sofern keine schnellen Gegenmaßnahmen ergriffen werden, und die Menschheit in Gefahr bringt.

Titelbild: fotolia / Tyler Olson

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